Story: Kathryn und Chakotay finden sich plötzlich auf einem erdähnlichen Planeten wieder. Wo ist die Voyager?
Disclaimer: Paramount
Author's note: Klapperschlangen im Deltaquadranten? Was es nicht alles gibt!
Widmung: Für alle, die glauben, dass es doch noch Hoffnung gibt
Stardate: Mai 2000


Entführt

Es geschah alles ohne Vorwarnung. Gerade noch war alles in Ordnung auf der Brücke der Voyager. Alles war ruhig, fast zu ruhig. Beinahe gelangweilt warteten die Brückenoffiziere auf das Ende ihrer Schicht. Und dann verschwand Chakotay plötzlich. Nur ein kurzes Vibrieren der Luft und er war weg. "Roter Alarm" rief Tuvok sofort, "Captain auf die Brücke." Der Alarm schrillte los und der Raum wurde dunkler. Doch Captain Janeway erschien nicht. Tuvok klopfte auf seinen Kommunikator. "Brücke an Captain Janeway." Keine Antwort. "Computer, Captain Janeway lokalisieren," befahl er daher. "Captain Janeway befindet sich nicht an Bord der Voyager," meldete die monotone Stimme des Computers. Ohne auf einen Befehl zu warten, versuchte Harry sofort, die beiden Vermissten zu finden. Doch die Scanner zeigten nichts an. "Computer, ist sonst noch ein Crewmitglied verschwunden?" fragte Tuvok weiter. "Negativ." meldete der Computer sofort. Fassungslos sahen sich die Offiziere der Voyager an. Was sollten sie tun?

Captain Janeway sass in ihrem Bereitschaftsraum und las die Sicherheitsberichte von Tuvok. Eigentlich langweilte sie sich aber ihr Pflichtbewusstsein hielt sie davon ab, die Berichte zur Seite zu legen. Trotzdem hatte sie Mühe, Ihre Gedanken nicht immer auf die Brücke entfliehen zu lassen. ‚Verdammt Kathryn' dachte sie ärgerlich, ‚jetzt konzentriere dich endlich. Die Arbeit macht sich nicht von allein. Und für Phantasien hast du später Zeit.' Zu mehr kam sie nicht mehr, denn plötzlich löste sich ihr Bereitschaftsraum auf. Ihr wurde schwindlig und sie schloss kurz die Augen. Als sie sie wieder öffnete, sah sie sich erstaunt um. Sie befand sich auf einem Planeten und sofort fühlte sie sich an die Erde erinnert. Statt auf ihrem Sessel sass sie auf einem grossen Stein inmitten einer menschenleeren Wildnis. Das Gras sah frisch und grün aus, sie hörte Vögel pfeifen und etwas entfernt sah sie einen kleinen Wald. Der Himmel war strahlend blau und eine schräg stehende Sonne spendete angenehme Wärme. Sie stand auf und versuchte Instinktiv, auf ihren Kommunikator zu klopfen, doch er war nicht mehr da. Auch ihre Uniform war verschwunden und statt seiner trug sie ein einfaches Baumwollkleid. ‚Q,' dachte sie sofort und rief laut nach ihm. Doch keine Antwort erfolgte. Doch wer ausser Q war zu so einer Tat fähig? Sie allein in dieser Wildnis auszusetzen sah doch verdammt nach ihm aus. Doch anscheinend schien ihr nichts anderes übrigzubleiben, als die neue Umgebung zu erkunden. Vielleicht ergab sich eine Möglichkeit, mit ihrem Schiff Kontakt aufzunehmen. Schliesslich war ja irgendwer an diesem Ortswechsel schuld und den galt es zu finden. Entschlossen begann sie ihren Marsch in Richtung des Waldes. Sie war noch nicht weit gekommen, da sah sie eine Bewegung zwischen den Bäumen. Zuerst dachte sie an ein Tier, doch als sie genauer hinsah erkannte sie ihren ersten Offizier. "Chakotay!!" rief sie laut. Er drehte sich um, erkannte sie und kam ihr entgegen. "Captain" sprach er sie an, als sie einander erreichten, "sie sind also auch hier. Haben sie sonst noch jemanden gesehen?" "Nein," kam ihre Antwort, "bis jetzt sind wir die einzigen." Erst jetzt bemerkte sie, dass auch er seine Uniform nicht mehr trug. Statt dessen war er mit Jeans und einem blauen Hemd bekleidet. "Vorschläge?" fragte sie. "Da wir die Voyager nicht kontaktieren können, sollten wir versuchen, die Urheber für unseren unfreiwilligen Transport zu finden. Die Richtung können sie sich aussuchen. Ich habe nirgends Anzeichen für eine Siedlung oder etwas anderes gesehen." antwortete er. Mit einem "Einverstanden" ging sie los und er folgte ihr.

Sie waren nun bereits seit etwa zwei Stunden unterwegs. Die Sonne stand nun im Zenit und es wurde langsam unerträglich heiss. Der Schweiss lief beiden über die Gesichter. Plötzlich blieb Kathryn stehen. "In dieser Richtung scheint nichts zu sein. Oder können sie etwas entdecken?" fragte sie. Mit seiner rechten Hand versuchte er seine Augen vor der sengenden Sonne zu schützen und sah sich suchend um. "Da vorne scheint etwas zu sein. Ich kann allerdings nicht sagen, was." Sie drehte sich in seine Blickrichtung und tat es ihm gleich. "Tatsächlich, da ist etwas. Na gut, gehen wir weiter. Ich hoffe nur, wir finden bald etwas Wasser. Meine Kehle ist ganz ausgedorrt." Sie machten sich wieder auf den Weg. Nach einer Weile kamen sie tatsächlich an einen Bach. "Irgendwer hat sich ja sehr grosse Mühe gegeben, unsere Erde zu simulieren." sagte Kathryn, während sie sich niederliess. Das Wasser war kühl und schmeckte köstlich. "Sie glauben also, dass dies nur eine Simulation ist?" fragte Chakotay, nachdem auch er getrunken hatte. "Natürlich. Zuerst dachte ich, dass Q dahinter steckt. Aber er hätte sich schon lange gezeigt. Wahrscheinlich werden wir beobachtet. Ich fühle mich wie ein Versuchskaninchen. Und ich hasse dieses Gefühl." Chakotay sah sie an und musste lachen. Ihr Gesicht war von der Anstrengung rot geworden und sie hatte es sich mit dem Wasser gekühlt. Nun hingen ihr ein paar nasse Strähnen ihres Haares, die sich gelöst hatten, ins Gesicht. Ausserdem sah sie in diesem Kleid einfach wahnsinnig gut aus. "Warum lachen sie? Sehe ich so schrecklich aus?" "Nein, überhaupt nicht. Sie sehen sogar sehr gut aus. Das Kleid steht ihnen." antwortete er schnell. "Witzbold." war ihre einzige Reaktion. Sie stand auf und ging weiter. "Nein, das meine ich ernst." verteidigte er sich, "Ausserdem haben sie wahrscheinlich recht, ich halte das ganze hier auch für eine Simulation." Er beeilte sich, wieder an ihre Seite zu kommen.

Schweigend gingen sie weiter. Jeder hing seinen Gedanken nach. ‚Verdammt, ich hasse das. Allein mit ihm zu sein, bringt mich ganz durcheinander. Ich muss unbedingt einen Weg finden, diesen Zustand zu ändern. Tuvok, wo steckst du nur?' Chakotay's Gedanken gingen in eine ganz andere Richtung. ‚Irgendwie erinnert mich das hier an New Earth. Endlich wieder einmal ganz allein mit ihr. Keine Dienstordnung, keine Crew, die stört. Simulation hin oder her. Soll ich mir überhaupt wünschen, dass die Voyager uns findet?' Seine Gedanken wurden jäh unterbrochen, als Kathryn plötzlich stolperte. Er versuchte noch, sie aufzufangen, doch er kam zu spät. Sie ruderte noch mit den Armen, doch sie konnte es nicht verhindern. So lang wie sie war, schlug sie auf der Erde auf. Als sie den Kopf hob, sah sie in die starren Augen einer Klapperschlange. Eine Klapperschlange? Hier im Delta-Quadranten? Doch ihr blieb keine Zeit mehr für weitere Ueberlegungen. Sie musste hier weg. Die Schlange hatte sich aufgerichtet und rasselte aufgeregt mit ihrem Schwanz. "Bleiben sie ruhig liegen. Bewegen sie sich nicht." rief ihr Chakotay zu. Mitten in der Bewegung erstarrte Kathryn. Wenn die Schlange zubiss, sie hatten keine Medikamente dabei. Chakotay liess sich auf den Boden nieder und kroch langsam auf seinen Captain zu. Er versuchte, sich zwischen die Schlange und Kathryn zu schieben. Als er sie erreichte, flüsterte er: "Stehen sie ganz langsam auf. Keine hastigen Bewegungen, sonst beisst die Schlange zu." Ganz langsam zog sich Kathryn zurück. Endlich gelangte sie in eine kniende Position und versuchte nun auf die Beine zu kommen. Doch sie hatte nicht mehr an ihr langes Kleid gedacht. Sie rutschte aus und stützte sich mit der Hand auf. Das war zuviel für die Schlange. Ihr Kopf stiess vor. Sie erwischte Chakotay's Arm. Mit einem Schrei schüttelte er die Schlange ab. Sie liess los und kroch davon. "Chakotay!" schrie Kathryn und kam zu ihm. "Hat die Schlange sie erwischt?" "Ja, meinen Arm." anwortete er, während er seinen Aermel hochrollte. Da waren sie, zwei unscheinbare Löcher. Doch wenn die Schlange wirklich eine Klapperschlange war wie auf der Erde, konnten sie tödlich sein. ‚Jetzt nur keine Panik', dachte er. Er meinte, das Gift schon in seinem Körper zu spüren. Sie hatten nicht einmal ein Messer, um die Wunde aufzuschneiden und möglichst viel von dem tödlichen Gift auszusaugen. Kathryn kniete neben ihm. "Legen sie sich hin. Je mehr sie sich bewegen, desto schneller verteilt sich das Gift in ihrem Körper." Er streckte sich auf der Erde aus und versuchte, möglichst ruhig zu atmen. Mehr konnte er nicht tun. Ohne Gegengift würde es ihn umbringen. Nicht sofort aber in absehbarer Zeit. Nun hoffte er doch, dass die Voyager bald kommen würde. Kathryn strich im sanft über die Stirn. "Bleiben sie ganz ruhig. Unsere Crew wird uns bald finden und der Doktor wird sie retten." versuchte sie, ihn zu beruhigen. Oder wollte sie sich nur selber beruhigen? Sie wusste, dass er an dem Gift sterben würde, wenn nicht innert kurzer Zeit etwas geschah. Nein, das konnte sie nicht zulassen. Sie stand auf und richtete ihre ganze Wut auf die Wesen, die an diesem Zustand schuldig waren. "Verdammt," schrie sie, "zeigt euch endlich. Was wollt ihr von uns? Er ist verletzt. Ihr könnt ihn doch nicht einfach so sterben lassen." Doch nichts geschah. Kein fremdes Wesen zeigte sich, kein vertrautes Vibrieren der Luft beim Beamen. Das konnte doch alles nicht wahr sein. War sie wirklich dazu verdammt, hier zu stranden und ihn nun auch noch zu verlieren? Das konnte, das durfte einfach nicht geschehen. Sie liess sich wieder neben ihm nieder. Sie versuchte, ihre Tränen zurückzuhalten. Aber es gelang ihr nicht ganz. Sie hob ihren Rock und riss aus dem Unterkleid einen sauberen Streifen Stoff. Damit verband sie seinen Arm. "Kathryn," hörte sie Chakotay sagen und schaute ihn an, "verzweifeln sie nicht. So schnell sterbe ich nicht. Aber wir müssen weiter. Hier können wir nicht bleiben. Weiter auf die Bäume zu. Dort sollte es auch Wasser geben. Und Schatten. Die Sonne dörrt uns sonst völlig aus." "Sie haben recht aber können sie noch weiter?" "Ich werde es schon schaffen." antwortete er, während er mit ihrer Hilfe aufstand. Zuerst schwindelte ihn aber das ging zum Glück vorbei. Langsam machten sie sich wieder auf den Weg.

Sie kamen nur ganz langsam voran. Immer wieder mussten sie eine Pause einlegen, damit Chakotay wieder etwas zu Kräften kam. Sein Arm war an der Bisswunde stark geschwollen und er spürte jeden Herzschlag durch den ganzen Arm. Sein Herz pumpte das Gift durch den ganzen Körper. Irgendwann würde er nicht mehr weiter können. Doch noch schleppte er sich mit ihrer Hilfe weiter. Sie mussten die Bäume erreichen, mussten Wasser finden. Sonst würden sie es beide nicht überleben. Nach einer unendlich scheinenden Zeit erreichten sie endlich den kleinen Wald. Chakotay hatte recht gehabt. Hier floss wieder ein Bach. Er war endgültig am Ende seiner Kräfte. Seine Beine gaben nach und Kathryn konnte ihn nicht mehr halten. Er fiel ins Gras und verlor das Bewusstsein. Die Crew der Voyager war seit dem Verschwinden ihrer kommandierenden Offiziere nicht untätig gewesen. Seven war es gelungen, einen weit entfernten Planeten der Klasse M zu lokalisieren. Konnte es sein, dass die beiden dort waren? Da sie sonst keinen Anhaltspunkt hatten, befahl Tuvok, Kurs auf diesen Planeten zu nehmen. Er hatte nun die Verantwortung. Sie mussten sie finden. Seine Miene blieb ausdruckslos. Doch tief in seinem Inneren machte er sich doch Vorwürfe. Warum hatte er die Entführung nicht verhindert? Hatte er etwa übersehen? Ein Zeichen dafür, dass so etwas geschehen würde? Er hatte alle Computer-Logbücher überprüft. Da gab es keine Anzeichen. Kein Hinweis. Das Unglück war wirklich ohne Vorwarnung über sie hereingebrochen. Obwohl Hoffnung eigentlich unlogisch war, in dieser Situation hoffte Tuvok von ganzem Herzen, dass sie erfolgreich sein würden. Sie mussten die beiden finden.

Chakotay hatte hohes Fieber. Immer wieder kühlte Kathryn seine heisse Stirn mit einem feuchten Tuch, einem weiteren Stück Stoff aus ihrem Unterrock. Seit er bei ihrer Ankunft am Bach das Bewusstsein verloren hatte, war er nicht mehr zu sich gekommen. Immer wieder rief er ihren Namen, warf sich von einer Seite auf die andere. Er phantasierte. Er schwitzte und fror abwechslungsweise. Kathryn hatte trockenes Holz gesammelt und es geschafft, ein Feuer zu machen. Nun legte sie sich ganz nahe zu ihm, nahm ihn in die Arme und gab ihm ihre Wärme. Sie spürte sein Zittern. ‚Halt durch, Chakotay', dachte sie verzweifelt. ‚Du darfst mich nicht verlassen. Ich brauche dich doch so sehr.' Tränen stiegen ihr in die Augen. Doch diesmal versuchte sie nicht, sie zurück zu halten. Sie liess ihrer Angst freien Lauf und schluchzte auf. Sie fühlte sich so hilflos wie noch nie in ihrem Leben. Warum hatte es nur so kommen müssen? Hatte sie einen Fehler gemacht? Warum hatte sie ihm nie ihre Liebe gestanden? Nun war es vielleicht zu spät. Wenn sie keine Hilfe bekämen, wurde er hier sterben. Am Gift dieser verdammten Schlange. Auf einem wunderschönen Planeten, der so sehr der Erde glich. Warum hatte die Schlange nicht sie gebissen? Schliesslich war sie es gewesen, die nicht aufgepasst hatte und deshalb gestolpert war. Doch er hatte sich wie schon so oft zwischen sie und die Gefahr gestellt. Tuvok hätte wahrscheinlich gesagt, dass das sein Job wäre. Aber sie war doch selbst schuld. Die Erschöpfung forderte ihren Tribut. Sie weinte sich in einen unruhigen Schlaf. Als sie aufschreckte, bewegte sich Chakotay nicht mehr. Sie schrie auf. "Nein, Chakotay, du darfst nicht sterben." Verzweifelt suchte sie nach einem Lebenszeichen. Und dann spürte sie seinen Puls. Ganz schwach. Kaum noch zu fühlen. Aber er lebte noch. Aber wie lange würde sein Körper diesen Kampf noch überstehen? Sie nahm das Tuch, hielt es ins kalte Wasser und rieb ihm damit das Gesicht ab. Da öffnete er die Augen und sah sie an. "Kathryn, bevor ich sterbe, muss ich Dir noch etwas sagen." brachte er leise hervor. "Du wirst nicht sterben." erwiderte sie. "Kathryn, hör mir bitte zu. Es ist wichtig. Ich habe mich nie überwinden können, es Dir zu sagen. Es stand immer so viel zwischen uns. Aber nun, nun kann ich es. Kathryn, ich liebe dich. Ich habe dich geliebt, seit ich dich das erste Mal sah. Aber du gabst mir immer das Gefühl, dass es nicht sein dürfte. Nicht zwischen dem Captain und ihrem ersten Offizier." Die Tränen stiegen ihr erneut in die Augen. "Oh Chakotay, ich liebe dich doch auch. Ich kann mir ein Leben ohne dich nicht mehr vorstellen." Sie beugte sich zu ihm runter und bedeckte sein Gesicht mit ihren Küssen. Wie heiss er sich anfühlte. "Oh Kathryn, du machst mich so glücklich, ich....." Seine Stimme versagte. Er hatte seine letzte Kraft aufgebraucht und verlor erneut das Bewusstsein. "Tuvok," Harry Kim schrie so laut, dass sich alle umdrehten, "ich habe sie gefunden. Auf diesem Planeten erfasse ich zwei Lebenszeichen, die eindeutig von ihnen sind. Ein Lebenszeichen ist allerdings sehr schwach." "Können wir die beiden hochbeamen?" fragte Tuvok. Auch jetzt blieb seine Stimme ausdrucklos, obwohl sein Herz vor Freude einen Sprung machte. Doch das würde er nie zugeben. "Ja Sir." antwortete Kim sofort. "Tuvok an Transporterraum. Erfassen sie die beiden und beamen sie sie direkt auf die Krankenstation." "Aye, Sir." kam sofort die Bestätigung. "Tuvok an Krankenstation. Doktor, sie bekommen einen Patienten." "Habe ich bereits gehört. Ich bin bereit." erklang die Stimme des Arztes.

Kathryn suchte seinen Pulsschlag. Seinen Atem. Da war nichts mehr. Er hatte sie verlassen. "Nein," schrie sie ihn an, "du darfst nicht gehen. Nicht jetzt. Nicht nach allem, was wir durchgemacht haben.". Sie packte ihn an den Schultern, schüttelte ihn. Doch er regte sich nicht mehr. Was bewaffnete Gegner und Katastrophen, unzählige Kämpfe und beinahe Vernichtungen der Voyager nicht geschafft hatten, hatte eine Schlange geschafft. Er war gestorben, hier auf diesem verdammten Planeten, der der Erde so glich. Hierher entführt von Wesen, die sich nicht zu erkennen gaben, aus einem Grund, der ihr nicht klar war. Die Voyager hatte es nicht geschafft. Sie war nicht gekommen. Weinend brach Kathryn über ihrem Geliebten zusammen. Den einsetzenden Transport zur Voyager bekam sie nicht mit. "Captain?" hörte sie eine vertraute Stimme. Sie schrak auf. Sie war auf der Krankenstation und der Doktor stand vor ihr. Ihre Crew hatte sie also doch gefunden. Sie waren gekommen. Aber es war zu spät. Chakotay war tot. Es war vorbei. "Captain, stehen sie bitte auf, damit ich den Commander behandeln kann." hörte sie den Doktor sagen. Erst jetzt merkte sie, dass sie immer noch halb auf ihm lag. "Was ist überhaupt passiert?" fragte er. Mit letzter Kraft erhob sich Kathryn. "Eine Klapperschlange hat ihn gebissen." Sie zitterte. "Er ist tot." brachte sie noch hervor, dann brach sie zusammen. Tuvok, der in diesem Moment die Krankenstation erreichte, konnte sie gerade noch auffangen.

Der Doktor machte sich sofort an die Behandlung von Chakotay. Nein, er war noch nicht tot. Aber die Lebenszeichen waren wirklich sehr schlecht. Schlangenbisse kamen ja wirklich nicht gerade häufig vor auf einem Raumschiff. Aber er hatte zum Glück die Zusammensetzung für das Gegengift in seiner Datenbank. Er replizierte sich eine genügende Dosis und lud den Injektor. Mit einem Zischen entlud sich das Mittel in Chakotay's Hals. Tuvok war neben den Doktor getreten. "Wird er überleben?" "Das kann ich noch nicht sagen," antwortete der Doktor, "das Gift war schon sehr lange in seinem Körper. Ich kann nur versuchen, seinen Kreislauf zu stabilisieren und dann können wir nur abwarten." Während er sprach, injizierte er Chakotay ein weiteres Medikament. Dann wandte er sich dem Captain zu. Nach einer kurzen Untersuchung meinte er zu Tuvok gewandt: "Ihr geht es gut. Sie ist nur sehr erschöpft. Lassen wir sie schlafen." "Ich werde die Crew informieren." Mit diesen Worten verliess Tuvok die Krankenstation.

Kathryn träumte. Immer wieder sah sie Chakotay vor sich. Wie er ihr seine Liebe gestand und dann starb. Er war gestorben und sie war schuld. Warum war sie nur gestolpert? Sie liebte ihn so sehr. Doch er musste erst sterben, damit sie sich ihre Liebe eingestehen konnte. Laut schrie sie seinen Namen und wachte davon auf. Sie setzte sich auf und sah den Doktor aus seinem Büro eilen. Er kam zu ihr. "Wie geht es ihnen, Captain?" fragte er besorgt. "Es geht," sagte sie leise, "aber Chakotay ist gestorben." "Gestorben? Nein, ich konnte ihn gerade noch retten. Er ist zwar immer noch sehr schwach aber ich bin sicher, er wird es überleben." Kathryn hörte gar nicht richtig zu. "Er ist gestorben und ich bin schuld daran." "Captain, hören sie zu!" Er packte sie an den Schultern, damit sie ihn ansah. "Chakotay ist nicht tot. Es war knapp aber er schafft es." "Er ist nicht tot?" fragte sie ungläubig. Sie konnte ihr Glück nicht fassen. Er lebte, er hatte sie nicht verlassen. Sie würden glücklich sein. Zusammen. "Wo ist er? Ich muss ihn sehen." brachte sie heraus. "Gleich da drüben." Der Doktor zeigte auf das andere Bett. Ja, da lag er. Er atmete ganz schwach aber er lebte. Kathryn sprang auf und eilte zu ihm. Sie nahm seine Hand und strich ihm zärtlich über die Stirn. Sie war immer noch heiss. Aber lange nicht mehr so wie zuvor. "Er hat immer noch Fieber. Aber es ist schon stark gesunken.", erklärte der Doktor, "Sein Körper muss immer noch gegen das Gift kämpfen aber mit meiner Unterstützung schafft er es." Tränen liefen Kathryn über die Wangen. Doch diesmal waren es Tränen des Glücks. Er war bei ihr und niemand konnte sie jemals wieder trennen. Die Tür zur Krankenstation ging auf und alle Führungsoffiziere kamen herein, um sich selbst davon zu überzeugen, dass es den beiden gut ging. In diesem Moment öffnete Chakotay langsam die Augen und sah sie an. "Kathryn?" Seine Stimme war nicht mehr als ein Flüstern. "Wo sind wir? Was ist passiert?" "Wir haben es geschafft. Sie haben uns gefunden und der Doktor konnte dich retten. Oh, Chakotay, ich liebe dich so sehr. Du darfst mich nie mehr verlassen." Sie beugte sich über ihn und bedeckte sein Gesicht erneut mit Küssen. Ihre Offiziere standen hinter ihr und staunten. Tom und Harry bekamen ihren Mund nicht mehr zu. B'Elanna lächelte glücklich. Sie hatte schon lange gewusst, was Chakotay für den Captain empfand. Auch wenn er ihr das nie gesagt hatte. Aber sie kannte ihn schon viel zu lange, um das zu übersehen. Tuvok war so erstaunt, dass er sogar beide Augenbrauen hochzog. Etwas, das sehr selten vorkam. Janeway hatte sie noch gar nicht bemerkt. Leise zogen sich die vier zurück. Sie wollten das junge Glück nicht stören.

Drei Tage später hatte sich Chakotay schon so weit erholt, dass ihn der Doktor in sein Quartier entliess. Aber es dauerte nicht lange, da langweilte er sich schon. Ausserdem trieb ihn die Sehnsucht auf die Brücke. Er stand auf. Sein Körper wollte noch nicht so richtig aber das hielt ihn nicht auf. Er zog sich an und verliess sein Quartier. ‚Der Doktor wird toben, wenn er mich erwischt. Und mich wahrscheinlich auf der Krankenstation einsperren.' dachte Chakotay lächelnd. Aber das war ihm egal. Er wusste, wo er hin musste. Der Weg zur Brücke kam ihm unendlich lang vor. Der Turbolift kroch wie eine Schnecke. Doch endlich hielt er vor der Brücke. Die Türen gingen auf und er trat hinaus. Alle Köpfe drehten sich zu ihm um. Kathryn erhob sich lächelnd und drohte mit dem Zeigefinger. "Aber Commander, sie sollten doch noch im Bett liegen. Wenn das der Doktor erfährt." Doch dann ging sie ihm entgegen und sie küssten sich, bis beide ganz ausser Atem waren.

"Konnte jemand herausfinden, warum wir auf diesen Planeten entführt wurden und von wem?" fragte Chakotay an der ersten Sitzung, an der er wieder teilnehmen konnte. Der Doktor hatte natürlich von seinem Ausflug erfahren und ihn daraufhin in seinem Quartier eingesperrt. Kathryn war so oft gekommen, wie sie konnte. Sie war besser für seine Gesundung als jede Medizin, die ihm der Doktor geben konnte. Bei diesen wenigen Besuchen hatten sie allerdings besseres zu tun gehabt, als über ihre Entführung zu rätseln. Tuvok ergriff das Wort: "Leider haben unsere Untersuchungen nichts ergeben. Keine Schiffe im Orbit des Planeten und auch keine höheren Lebensformen auf dem Planeten. Vielleicht haben die Fremden ein Tarnfeld, das unsere Sensoren nicht durchdringen konnten." "Tja," meinte Chakotay, "dann wird der Vorfall wohl immer ein Rätsel bleiben." Aber war das eigentlich wichtig? Sie hatten beide überlebt und sich endlich ihre Liebe gestanden. Eigentlich neigte er dazu, den Fremden dankbar zu sein. Er sah zu Kathryn und lächelte sie an. Sie lächelte zurück. Und dieses Lächeln entschädigte ihn für alle Schmerzen, die er durchlitten hatte.

Ende


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