Story: Gedanken einer Nacht aus Kathryns Sicht.
Disclaimer: Paramount
Widmung: Für Tamaris, die einen Teil der Gedanken beigesteuert hat.
Stardate: 21. Dezember 2000
Gedanken einer Nacht Part II
Es ist früh am Morgen.
Du liegst neben mir.
Ich geniesse die Wärme, die dein Körper ausstrahlt.
Die Geborgenheit, die mir deine Umarmung schenkt.
Und ich frage mich immer wieder, warum ich solange darauf verzichtet habe.
Ich wage es nicht, die Augen zu öffnen.
Aus Angst, dass die letzte Nacht doch nur ein Traum war.
Ich warte auf eine Bewegung von dir, die mir sagt, dass dies die Realität ist.
Doch du liegst nur still da.
Ich lausche deinem Atem.
Dem ruhigen Schlag deines Herzens.
Meine Gedanken gehen zurück zum gestrigen Abend.
Irgendwie erscheint es mir, als wäre es Jahre her.
Doch es war erst gestern, als ich in meinem Bett lag.
Ich konnte nicht schlafen.
Wie schon so oft.
Ich starrte an die Decke.
Zuerst merkte ich gar nicht, dass mir die Tränen in die Augen stiegen.
Erst als mein Blick immer verschwommener wurde, nahm ich sie wahr.
Zuerst wischte ich sie weg, als sie sich ihren Weg über meine Wangen suchten.
Doch es wurden immer mehr.
Und so liess ich sie.
Sie hinterliessen eine nasse Spur auf meinen Wangen und tropften auf mein Kissen.
Ich weinte, wie schon so oft.
Die einsamen Nächte zerrten an meinen Kräften.
Ich sehnte mich so sehr nach Liebe.
Der Liebe, die ich so nah bei mir wusste und die doch so weit entfernt war.
Chakotay.
Alles in mir schrie danach, dir endlich zu sagen, was mich schon so lange bedrückte.
Alles?
Nein, irgendwie doch nicht.
Da war auch noch eine andere Stimme.
Die Stimme, die mich immer zurückgehalten hatte.
Die Stimme der Vernunft.
Die Stimme der Regeln und Vorschriften.
Verdammt, Kathryn! Warum bist du nur so stur?
Ich war wütend auf mich selber.
Schliesslich hielt ich es nicht mehr aus.
Ich stand auf.
Näherte mich der Tür meines Quartiers.
Doch dann zögerte ich wieder.
Wie schon so oft.
Neue Zweifel überkamen mich.
Kurz vor dem Ziel doch noch versagt.
War es richtig?
Konnte ich so einfach in dein Quartier platzen?
Und überhaupt.
Wie konnte ich erwarten, dass du mich immer noch liebst?
Dass du mir all die Zurückweisungen und Demütigungen verzeihen könntest?
Doch ich hatte auch deine Blicke gesehen.
Wie du mich ansiehst, wenn du dich unbeobachtet fühlst.
Blicke, so voller Liebe, dass es mir jedesmal tief in meinem Herzen wehtat.
Es schmerzte so sehr, diese Blicke nicht erwiedern zu können.
Blicke, so voller Traurigkeit, dass es mir beinahe meine Seele zeriss
Es schmerzte so sehr, deinen Blicken nicht die Traurigkeit nehmen zu können.
Konnte ich diesen Schmerz weiter ertragen?
Nein, ich musste es wagen.
Musste es wagen, selbst verletzt zu werden.
Von dir zurückgewiesen zu werden.
Das alles könnte ich ertragen.
Nur nicht mehr diese Ungewissheit.
Ich weiss nicht mehr, wie ich vor dein Quartier gekommen bin.
Ich fühlte nur diesen Schmerz in mir.
Erst der Türmelder riss mich wieder in die Realität.
Dieses Mal wollte ich nicht als Captain zu dir kommen.
Sondern nur als Kathryn.
Ganz ohne die Maske, die ich sonst immer aufgesetzt habe.
Ich weinte.
Zuerst standst du nur da und hast mich angestarrt.
Was musstest du über deinen Captain denken?
Ich sah sicher schrecklich aus.
Die Augen dick verquollen vom Weinen.
Das Haar unordentlich.
Du hast dich immer noch nicht bewegt.
Hast mich nur ungläubig angesehen.
Erst als ich langsam auf dich zutrat kamst du mir entgegen.
Als ich mich dann endlich in deine Arme werfen durfte, kamen der ganze Schmerz
und die Tränen wieder hoch.
Du hieltst mich fest in deinen Armen.
Hast mir wortlos übers Haar gestreichelt.
Für diese Stille war ich dir dankbar.
Ich musste mich zuerst beruhigen.
Musste meine Gedanken sammeln.
Wir standen lange so zusammen.
Ich fühlte mich seit langem wieder einmal beschützt und sicher.
Als ich aufschaute, sah ich nur deine mitfühlenden Augen.
Wie hatte ich Dich nur so verletzten können.
Bloss weil ich mir geschworen hatte, nie mehr jemanden an mich heranzulassen.
Aus Angst vor dem Verlust.
Verlust von Nähe.
Verlust von Vertrautheit.
Verlust von Liebe.
Immer wieder habe ich dich weggestossen und verletzt.
Habe mich hinter Parametern versteckt.
Ich wagte kaum diese eine Frage zu stellen.
Chakotay, kannst Du mir verzeihen?
Du hast nichts gesagt.
Hast einfach nur genickt.
Mir fiel ein Stein vom Herzen.
Du hattest mich also noch nicht aufgegeben.
Immer noch nicht.
Ich zog dich zu deinem Bett und wir setzten uns.
Zum ersten mal seit Langem wagte ich es,
jemandem Einblick in mein Innerstes zu gewähren.
Es tat so gut, mit dir über meine Ängste zu sprechen.
Dir von meinen Zweifeln zu erzählen.
Dir zu erklären, warum ich so lange gezögert hatte.
Ich konnte dir nicht in die Augen sehen.
Habe immer auf unsere ineinander verschlungenen Hände gestarrt.
Die Berührung gab mir die Kraft, über meinen Schatten zu springen.
Die Wärme deiner Haut tat mir so gut.
Immer wieder liefen mir Tränen die Wangen runter.
Ich konnte sie nicht mehr zurückhalten.
Wollte das auch gar nicht.
Tief in mir war immer noch diese Furcht, dass du mich ablehnen würdest.
Dass du vor dem erschrecken würdest, das ich dir offenbarte.
Vor dem, das in meiner Vergangenheit geschehen ist.
Dass es dich gar nicht interessieren würde, was mich beschäftigt.
Ich brauchte eine Menge Überwindung,
um noch das Letzte zu sagen, das mir auf dem Herzen lag.
Langsam hob ich den Kopf.
Ich suchte den Blick deiner Augen.
Diese Augen, die mich mit soviel Liebe ansahen.
Ich atmete noch einmal tief durch.
Jetzt oder nie.
Ich liebe dich, Chakotay. Ich will ohne dich nicht mehr leben.
Jetzt war es endlich gesagt.
Gebannt suchte ich nach einer Regung in deinen Augen.
Da sah ich, dass auch dir die Tränen in die Augen stiegen.
Sanft zogst du mich zu dir hin.
Der erste Kuss.
So sacht.
Als hättest du Angst, dass ich wieder davon laufen würde.
Doch ich war bereit.
Bereit, dir alles zu geben.
Du hast es gemerkt.
Denn der Kuss wurde immer fordernder.
Es nahm mir beinahe den Atem.
Als wir den Kuss schliesslich lösten, schaute ich dich nur fragend an.
Schliesslich sagtest du das,
wonach ich mich schon so lange gesehnt hatte.
Ich liebe dich auch, Kathryn.
Mehr Worte waren nicht nötig.
Der zweite Kuss löste einen Sturm in mir aus.
Ineinander verschlungen sanken wir aufs Bett.
Als wir uns lösten habe ich gemerkt, wie erschöpft ich war.
Und auch das hast du gemerkt.
Ich war so froh, als du mir deinen Arm als Kopfkissen angeboten hast.
Du hat mich festgehalten.
Ich habe mich an dich gekuschelt.
Meine linke Hand in deine rechte verschlungen.
Ich fühlte mich sicher und geborgen.
Es war, als ob etwas in mir zerbrechen würde.
Wieder liefen mir Tränen die Wangen runter.
Doch diese Tränen schmerzten nicht.
Es waren glückliche Tränen.
Wie lange hatte ich mich danach gesehnt.
Nur einfach in deinen Armen zu liegen.
Tief atmete ich deinen Geruch ein.
Hoffte, dass ich noch lange so liegen könnte.
Deine Nähe spüren.
Wie hatte ich nur so lange darauf verzichten können.
Ich konnte es immer noch nicht glauben.
Deine Liebe war so stark.
Sie hatte alles überwunden.
Irgendwann bin ich dann eingeschlafen.
Im Halbschlaf habe ich mich noch näher an dich geschmiegt.
Meinen Kopf auf deine Brust gelegt.
Leise murmelte ich deinen Namen.
Ich lauschte deinem ruhigen Herzschlag.
Bald schlief ich tief und fest.
Noch immer liege ich mit geschlossenen Augen in deinen Armen.
Doch schliesslich öffne ich sie.
Ich will dich ansehen.
Dir zusehen, wie du schläfst.
Doch als ich den Kopf langsam hebe, sehe ich direkt in deine Augen.
Ich habe das Gefühl, in ihnen zu ertrinken.
Chakotay, ich....
Ich liebe dich, wollte ich eigentlich sagen.
Doch deine Lippen verschliessen sanft meinen Mund.
Diese Nacht war wunderschön.
Doch das Erwachen war noch viel schöner.
Ende
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