Story: Q mischt sich ein. Kann er auch mal etwas Gutes tun?
Disclaimer: Nicht Parasit, Paramount
Author's note: Die erste Story, in der Chakotay mal nicht so leiden muss.
Wenigstens nicht körperlich.
Widmung: Für Tamaris und Roman, die mich während einer Stargate-
Folge auf diese irrwitzige Idee brachten.
Stardate: 6. Juni 2000


Getauscht

Kathryn Janeway räkelte sich in ihrem Bett. Sie hatte seit längerer Zeit wieder einmal wunderbar geschlafen. Seit sie in den Deltaquadranten verschlagen worden waren, hatte ihr die Sehnsucht nach zu Hause und die Verantwortung für die Voyager und die Crew immer mehr den Schlaf geraubt. Und dann kamen diese Nachrichten von zu Hause. Mark hatte geheiratet. Es hatte sie getroffen. Zuerst war sie wütend gewesen. Enttäuscht und verletzt. Doch dann war ihr bewusst geworden, dass sie Mark keine Vorwurf machen konnte. Die Voyager war seit über vier Jahren verschwunden und offiziell für vermisst erklärt worden. Da war es doch nur logisch, dass er versucht hatte, sein Leben weiter zu leben. Und doch. Es hatte ihr immer einen Halt gegeben, dass er auf sie wartet. Und eine Ausrede. Eine Ausrede vor sich selbst und natürlich vor ihm. Doch die war jetzt nicht mehr da. Doch die Distanz, die war immer noch da.

Es war noch früh und so blieb sie liegen. Plötzlich hatte sie das Gefühl, dass etwas nicht stimmte. Das Bett fühlte sich komisch an. Ueberhaupt fühlte sich alles komisch an. Die Wäsche war anders und die Luft roch nicht wie in ihrem Quartier. Wo war sie? Ausserdem fror sie plötzlich. Sie berührte ihre Schultern und bemerkte, dass sie nackt waren. Wo war ihr Nachthemd hingekommen? Und, waren das ihre Schultern? Die Haut war nicht so zart und dann diese Muskeln! Sie schoss auf. "Computer Licht!" rief sie laut. Sofort wurde es hell. Nein, das konnte nicht sein, sie träumte. Sie war wirklich nicht in ihrem Quartier. Das war sein Quartier. Und das war nicht alles. Was noch viel schlimmer war. Sie war in Chakotays Körper.

Sie sprang aus dem Bett und schaute an sich hinunter. Das hätte sie wohl besser nicht getan. Ihr Körper - sein Körper - war fast vollständig nackt. Sie schluckte, ihre Kehle wurde ganz trocken. Wie oft hatte sie sich diesen Anblick in ihren Träumen vorgestellt und sich dann dafür geschämt. "Q!" schrie sie voller Zorn, "was haben sie sich nun dabei wieder gedacht? Zeigen sie sich!" Ein Lichtblitz und da war er wirklich: Q. "Sie haben gerufen, Commander?" fragte Q mit einem Lächeln. "Sie wissen ganz genau, dass ich nicht Chakotay bin. Machen sie diesen Tausch sofort rückgängig." "Warum denn? Sehen sie doch auch mal die Vorteile." "Was für Vorteile?" Janeway rastete fast aus. "Was soll es für Vorteile haben, in einem anderen Körper zu sein?" "Nun ja," erklärte Q, "so können sie die ganze Sache einmal aus seinem Blickwinkel sehen." "Was soll denn das nun wieder heissen?" "Wenn sie das nicht wissen, kann ich ihnen auch nicht helfen." Sprach's und verschwand. "Q, verdammt, kommen sie zurück und bringen sie mich wieder in meinen Körper zurück." Doch er war weg.

Sie suchte seine Kleidung zusammen und zog sich rasch an. Ihre Gedanken rasten. Wenn er wirklich in ihrem Körper war. Sie stockte. Oh nein, das durfte nicht wahr sein. Er war in ihrem Körper. Und der lag nur mit einem dünnen Nachthemd bekleidet in ihrem Bett. Wenn er sie nun so sah? Sie durfte gar nicht daran denken.

Sie verliess sein Quartier und lief zu ihrem. Als sie vor der Tür stand offnete die sich und sie stand sich selbst gegenüber. Das heisst, ihrem Körper. Zum Glück war er angezogen. "Aehm, Chakotay?" fragte sie zögernd. "Captain?" kam die Gegenfrage von ihrem Körper. Also war es wahr, sie hatten die Körper getauscht. Dieser verdammte Q. "Gehen wir rein", sagte sie rasch und schritt an ihm vorbei. Sie setzten sich auf das Sofa. "Haben sie eine Ahnung, was passiert ist?" fragte Chakotay mit Kathryn's Stimme. "Ich hatte Besuch, natürlich Q. Er meinte, es sei von Vorteil, die ganze Sache mal aus ihrem Blickwinkel zu sehen. Dann ist er einfach verschwunden. Und bei ihnen?" "Na ja, als ich aufgewacht bin, habe ich zuerst gar nichts bemerkt. Erst als ich aufstehen wollte und dazu Licht machte, ist mir aufgefallen, dass ich ähm.." Er stockte. "Dass sie was?" fragte Janeway. "Dass ich ein Nachthemd trug und in ihrem Bett lag. Sie können sich vorstellen, dass ich ziemlich geschockt war, als ich merkte, dass ich in ihrem Körper stecke. Das ist alles ziemlich verwirrend und auch peinlich." "Das geht mir genauso," meinte Janeway. Sie sah ihn an, sah ihren Körper an und plötzlich merkte sie, dass ihr eigener Anblick sie erregte. Was sollte denn jetzt das bedeuten? War da etwas von ihm in seinem Körper zurückgeblieben? Hatte Q das gemeint? Sie senkte den Blick. Verdammt Kathryn, benimm dich. Auch wenn du in seinem Körper bist, brauchst du dich nicht von seinen Hormonen verwirren zu lassen. Und doch. Sie fragte sich, ob er auch so empfand. Um sich davon abzulenken, versuchte sie, sich wieder auf das Problem zu konzentrieren. "Was können wir tun? Irgendwelche Vorschläge?" "Zuerst sollten wir mal die Führungsoffiziere einweihen und versuchen herauszufinden, was Q damit bezweckt. Auch wenn uns das etwas peinlich sein wird." "Einverstanden", meine Janeway, "gehen wir."

Auf dem Weg zur Brücke ‚Verdammt', dachte Kathryn, ‚ wie konnte er mir das nur antun? Mich in Chakotay's Körper zu stecken. So eine blöde Idee.' Und doch, irgendwie war der Gedanke faszinierend. Sich von aussen zu betrachten war schon komisch und doch... Chakotay's Körper spielte verrückt. Sie hatte immer mehr Mühe, sich unter Kontrolle zu halten. Konnte es wirklich sein, begehrte Chakotay sie so sehr, dass sogar sie die Auswirkungen spürte? Irgendwie tat er ihr leid. Wenn er wirklich so fühlte, wie schwer musste es ihm fallen, sich ständig zu beherrschen. Sie ständig in seiner Nähe zu haben und irgendwie doch so weit entfernt.

Endlich erreichten sie die Brücke. "Tuvok, die Führungsoffiziere sofort in den Besprechungsraum. Und rufen sie auch den Doktor." befahl Chakotay und verschwand, gefolgt vom Captain im genannten Raum. "Aye Commander." antwortete Tuvok. Seine Augenbraue näherte sich immer mehr seinem Haaransatz. Seit wann wurden Sitzungen vom Commander einberufen wenn der Captain doch dabei war? Und warum lief der Captain so hinter dem Commander her? Normalerweise war das doch umgekehrt. Doch Tuvok stellte keine Fragen. Er hatte einen Befehl erhalten und führte ihn aus.

Fünf Minuten später hatten sich alle Offiziere versammelt. Chakotay, oder besser gesagt Kathryn in Chakotay's Körper versuchte, die Situation zu erklären: "Ich hatte heute morgen Besuch von Q. Kurz vorher hatte ich bemerkt, dass ich nicht in meinem sondern in Chakotay's Quartier aufgewacht bin. Nun ja, um es kurz zu machen, Q hat unsere Körper vertauscht. Ich bin in Wirklichkeit der Captain und Chakotay ist in meinem Körper gefangen." Sie machte eine Pause und sah ihre Offiziere an. Alle, bis auf Tuvok, sahen sie ungläubig an. Tuvok war es denn auch, der als erster das Wort ergriff: "Hat Q einen Grund genannt, warum er das getan hat?" "Nun ja," antwortete Janeway zögernd, "er meinte nur, dass ich die ganze Sache einmal aus Chakotay's Blickwinkel sehen solle und als ich ihn fragte, was er damit meine, verschwand er einfach." Tom grinste über das ganze Gesicht. Auch B'Elanna und Harry Kim konnten ein Lachen kaum noch verhindern. "Was ist daran so lustig?" fragte Kathryn, "Wissen sie, was er damit gemeint hat, Mr. Paris?" "Nun ja," antwortete Tom langsam, "vielleicht wäre es besser, wenn sie das den Captain ähm ich meine natürlich Chakotay fragen würden." ‚Verdammt Tom,' schoss es Chakotay durch den Kopf, ‚sie bringen mich ganz schön in Verlegenheit.' Kathryn drehte sich um und sah den Commander an. "Nun Commander? Haben sie eine Erklärung?" "Nun wissen sie, Captain.." druckste Chakotay herum, " ich habe da wirklich eine Ahnung. Aber das sollten wir vielleicht doch unter vier Augen besprechen." "Warum denn? Schliesslich betrifft diese Situation doch das ganze Schiff. Wie soll ich das Schiff kommandieren in ihrem Körper?" "Nun ja, ich glaube, dass dieser Zustand nicht die ganze Crew betrifft. Nicht wirklich. Ich glaube sogar, dass nur wir beide diese Situation lösen können. Aber bitte, lassen sie uns das unter vier Augen besprechen." "Nun gut, würden sie uns bitte entschuldigen?" wandte sich Kathryn an die anderen.

Tom, B'Elanna und Harry konnten sich gerade noch beherrschen, bis sich die Türe des Besprechungsraumes geschlossen hatte. Dann prusteten sie alle zusammen los. "Mann, sogar Q hat bemerkt, was zwischen den beiden los ist. Nur der Captain scheint es immer noch nicht begriffen zu haben. Oder will sie es einfach nicht begreifen?" Tom klopfte sich lachend auf die Oberschenkel. "Ich glaube, sie fürchtet sich davor, die Kontrolle zu verlieren." meinte B'Elanna. "Ja, das glaube ich auch." warf Harry ein, "Aber was ist, wenn Q die beiden so lässt, bis sie es einsieht?" "Mässigen sie sich." unterbrach Tuvok das Gespräch der drei "sie sprechen über unsere kommandierenden Offiziere." Sofort machten sie sich an ihre Arbeit. Doch das Grinsen auf ihren Gesichtern blieb.. Der Doktor hatte die ganze Zeit kopfschüttelnd dabei gestanden. ‚Ich glaube, ich habe da irgendwas verpasst. Der Captain und der Commander? Warum ist mir das nicht aufgefallen?' "Also Commander, nun sind wir allein. Warum hat Q ihrer Meinung nach unsere Körper vertauscht?" "Nun Captain...Kathryn, wie soll ich es sagen? Verdammt, es ist nicht so einfach." Mit einem Lichtblitz erschien Q. "Die Menschen werde ich nie verstehen. Die Luft zwischen ihnen knistert so sehr, dass sogar ich es bemerkt habe aber ihr beide wollt es wohl gar nicht kapieren. Obwohl ich immer noch nicht verstehe, was sie an diesem Kerl finden, wenn sie doch mich haben könnten." Kathryn war aufgesprungen. "Was wollen sie denn nun?" schrie sie Q an. "Sie haben es wirklich immer noch nicht gemerkt, was? Sie stecken in seinem Körper, bemerken die Reaktionen, die der Anblick von ihrem wirklichen Körper in ihm auslöst und haben es doch immer noch nicht begriffen. Verdammt Kathryn, sie sind doch sonst nicht so begriffsstutzig. Er liebt sie, er begehrt sie, begreifen sie das doch endlich."

Nun war es raus. Kathryn stand mit offenem Mund da und wusste nicht mehr, was sie sagen sollte. Also doch, es war tatsächlich wahr. Sie drehte sich um, sah ihn an. Er war auch aufgestanden. Seine, ihre Wangen waren gerötet. Anscheinend war ihm die ganze Sache unheimlich peinlich. "Er..., sie..., du liebst mich?" stammelte sie. "Eigentlich wollte ich es dir lieber selber sagen aber ja, ich liebe dich Kathryn. Ich liebe dich so sehr, dass es schmerzt, dich jeden Tag an meiner Seite zu sehen und dich doch nicht bekommen zu können. Verdammt Kathryn, es steht so viel zwischen uns. Du warst so kalt, so abweisend. Zuerst dachte ich immer, es läge an Mark. Dass du ihn immer noch liebst und zu ihm zurück willst. Als dann die Nachricht kam, dass er geheiratet hat, habe ich gehofft, dass du dich mir öffnest. Aber du bist immer abweisender geworden. Der Captain und ihr erster Offizier. Das kam für dich nicht in Frage. Du musstest immer Parameter festlegen, dein Leben fest in der Hand haben. Gefühle haben da keinen Platz. Ich kann nicht mehr. Manchmal wünsche im mir, wir wären uns nie begegnet." Seine Stimme war immer lauter geworden. Nun drehte er sich um und stürmte aus dem Raum. Erschüttert blieb Kathryn zurück. ‚Was habe ich getan? Warum habe ich es all' die Jahre nicht gemerkt? Oder wollte ich es nicht merken?' Erst jetzt bemerkte sie, dass Q immer noch hinter ihr stand. "Tja Kathryn, so ist das. Vor lauter Pflichterfüllung haben sie nicht bemerkt, was neben ihnen vorgeht. Und wenn sie Pech haben, ist es jetzt zu spät. Sie haben ihn gedemütigt. Ihn immer wieder zurückgewiesen. Ihn verletzt. Jetzt schauen sie, ob er ihnen nochmal vergibt." Damit verschwand er. Kathryn musste sich setzen. Sie liebte Chakotay ja auch. Das wurde ihr nun schmerzlich bewusst. Sie hatte immer gefühlt, dass etwas in ihrem Leben fehlte, Doch dass es so greifbar nah war, wollte sie sich nie eingestehen. Und jetzt war es vielleicht zu spät.

Chakotay ging in sein Quartier. Nein, er ging nicht, er lief. Warum hatte er nur so überreagiert? Hatte er zuviel gesagt? Wahrscheinlich ist ihr Körper daran schuld. Es verwirrt mich immer mehr, in diesem Körper zu sein. Dieser Körper, den ich schon so lange begehre. Er setzte sich auf einen Sessel, zog die Beine an und schlang seine Arme darum. So verharrte er, bis ihn der Türsummer aus seinen Gedanken schreckte. Doch er antwortete nicht. Nein, er wollte nicht mehr. Es war vorbei. Wieder erklang der Summer und er hörte seine eigene Stimme seinen Namen rufen. "Chakotay, bitte lassen sie mich rein. Ich muss mit ihnen reden." Was hatte das noch für einen Sinn? Er hatte doch schon alles gesagt. Trotzdem stand er auf und ging zur Tür. Automatisch öffnete sie sich und da stand sie. Es war sein Körper aber sie war es. Tränen standen in ihren Augen. "Oh, Chakotay, du hast ja so recht. Ich habe mich immer versteckt. Hinter Mark, hinter Vorschriften und Regeln. Und doch war da immer nur die Angst, verletzt zu werden. Ich habe schon zwei Männer in meinem Leben verloren. Einen dritten Verlust würde ich nicht überstehen. Aber ich liebe dich. Ich liebe dich über alles. Und wenn es noch nicht zu spät ist....." Statt einer Antwort zog er sie an sich heran. Er umarmte sie oder umarmte sie ihn? Denn Q hatte sein Ziel erreicht, in diesem Moment, als sie endlich ihre Liebe gestand. In einem Lichtblitz machte er den Körpertausch wieder rückgangig. Dann verschwand er und liess die beiden eng umschlungen zurück. Zuerst merkten sie gar nicht, dass alles wieder in Ordnung war. Ihre Gefühle hatten beide überwältigt. Sie küssten sich, immer leidenschaftlicher, immer wilder. Plötzlich fanden sie sich auf dem Boden wieder. Keuchend lösten sie sich voneinander. "Chakotay," flüsterte Kathryn, nun wieder mit ihrer eigenen Stimme, "ich glaube, das war das erste Mal, dass Q etwas Gutes getan hat. Ich fürchte, ich hätte mich sonst nie überwinden können, es einzugestehen. Nicht nur vor dir auch vor mir selber." Wortlos stand Chakotay auf, zog sie hoch, nahm sie auf seine Arme und trug sie zu seinem Bett. "Sag jetzt nichts mehr, fühle nur noch." sagte er leise, als er sie auf sein Bett gleiten liess und sich neben sie legte. Und dann fühlte sie, wie noch nie in ihrem Leben.

Ende???


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