Noch ganz erschlagen von der Schönheit der Badlands machen wir uns auf den Rückweg. Die Zeit reicht gerade noch, um dem Reptiliengarten einen Besuch abzustatten. Dort läuft der Pfleger zwischen etwa 30 Krokodilen, Alligatoren und Kaimanen herum, während er nett mit den Besuchern plaudert und viele interessante Dinge über diese verkannten Tiere erzählt. Ausserdem gibt es noch eine Schlangenshow mit Phyton und Klapperschlange sowie eine Vorführung von verschiedenen Greifvögeln.
So geht auch der dritte Tag in South Dakota zu ende. Noch bleibt uns etwas Zeit, die Läden in Deadwood noch etwas zu plündern und uns mit letzten Souvenirs einzudecken. Morgen geht es wieder zurück nach Billings.
Nun ist er also angebrochen, unser letzter Tag in Amerika. Wir machen uns schon früh auf, damit aus diesem letzten Tag kein gehetzter Tag wird. Unser erstes Ziel ist der Devils Tower in Wyoming, der von weitem am dunstigen Horizont kaum zu erkennen ist. Doch je näher man kommt, desto mehr kann man erkennen. Das 264 Meter hoch über der Prärie aufragende National Monument ähnelt einem kolossalen Baumstumpf. Tatsächlich besteht der Turm aus erstarrtem Magma und ist der Schlot eines Vulkans, dessen äussere, weichere Gesteinsschichten im Lauf der Jahrhunderte durch Wind- und Wassererosion abgetragen wurden. Soviel zur wissenschaftlichen Erklärung. Die Cheyennes erzählen, dass der Felsen aus dem Boden wuchs, um einige Stammesmitglieder vor einem riesigen Bären zu retten. Dieser hätte dann mit den Krallen die tiefen Riefen in den Felsen gekratzt. Wenn man so vor diesem Felsen steht, versteht man wie die Cheyennes auf diese Erklärung gekommen sind. Er sieht wirklich so aus, als hätte ein riesiges Tier seine Krallen daran gewetzt.
Auf dem Rückweg treffen wir auf eine riesige Kolonie von Präriehunden. Diese kleinen Nagetiere bauen beeindruckende "Prairie Dog Towns", deren Gänge kilometerlang unter dem Erdboden verlaufen. Sie sind recht zutraulich, doch wenn man ihnen zu nahe kommt, verschwinden sie blitzschnell in ihren Höhlen. Ueberall stehen Schilder mit der Warnung, die Tiere nicht zu füttern. Ausserdem können sie in zu weit vorgestreckte Finger beissen und dabei gefährliche Krankheiten übertragen.
Als wir gegen Abend Billings erreichen, wir haben nun seit Samstag mittag fast 2400 km zurückgelegt, ist die Sonne bereit am untergehen. So bleibt mir nur noch, diesen letzten Sonnenuntergang festzuhalten. Morgen früh, genauer gesagt um 6.15 Uhr wird unser Flugzeug uns wieder von hier wegbringen. Zuerst nach Salt Lake City, dann nach Chicago und von dort schliesslich wieder in die Schweiz. Ferien haben es ja generell an sich, dass sie viel zu kurz sind. Doch es kommt mir wirklich wie gestern vor, als ich meinen Fuss in dieses grossartige Land setzte. Und eines ist ganz sicher, es wird nicht das letzte Mal gewesen sein.
Das war also meine zweite Reise nach Montana, die vom 29. Juli bis zum 18. August 2000 dauerte. Das erste Mal war ich 1998 hier, im September. Da war es nicht mehr so heiss wie im August. Damals waren wir zehn Tage unterwegs in der Wildnis. Auch dieser Trip war für mich unvergesslich. Die Natur so zu erleben, wie sie schon die ersten Siedler sahen, ist unbeschreiblich. Wer nicht auf fliessendes Wasser, ein weiches Bett und so Annehmlichkeiten wie Klimaanlage, Fernseher oder ähnliches verzichten kann, sollte solche Ferien meiden. Wer aber bereit ist, sich auf ein Abenteuer einzulassen, am Boden zu schlafen und sich auch mal an einer Rindertränke zu waschen, der wird Tage und Nächte erleben, die er nie mehr vergisst.
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